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Lexikon der Phantominseln von Dirk Liesemer

Im August 1782 verhandeln in Paris die Unterhändler von Großbritannien und der USA über das Lexikon der PhantominselnEnde des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Seit dem Ausbruch 1777 hatten sich die beiden Parteien auf dem Schlachtfeld erbitterte Kämpfe geliefert, doch nun ist der Frieden in greifbarer Nähe. Einer der wenigen offenen Streitpunkt ist der Grenzverlauf in Nordamerika: Die Gebiete im Norden sind so gut wie unerforscht, es gibt nur eine halbwegs zuverlässige Karte. Die Unterhändler streiten erbittert, schließlich einigt man sich darauf, die Inseln Isle Royal und Phélipeaux den USA zuzuschlagen, die Insel Pontchartrain geht an die britische Kolonie Kanada. Der Vertrag wird ratifiziert.

Leider stellt sich später heraus, dass sowohl Phélipeaux als auch Pontchartrain gar nicht existieren. Der Kartograf hatte sie schlicht erfunden und nach seinem Gönner Louis II. P Phélipeaux de Pontchartrain benannt.

Während die Welt im 21 Jahrhundert bis auf den letzten Quadratmeter bekannt ist, waren die Kartografen in den vergangen Jahrhunderten auf Logbücher und Reiseerzählungen angewiesen. Und die stammten oft aus unsicherer Quelle: Der schnelle Klick auf GoogleMaps war ebenso unmöglich wie die genaue Standortbestimmung per GPS. Manche Sichtungen waren schlicht Irrtümer, manche auch Märchen und oder einfach Wichtigtuerei.

Lexikon der Phantominseln – Das Buch

Oben erzählte und noch deutlich kuriosere Geschichten hat Dirk Liesemer in seinem neusten Buch Lexikon der Phantominseln aufgeschrieben.

Dreißig dieser Phantominseln versammelt der Autor in seinem kleinen Büchlein und erzählt ihre mitunter bizarre, mitunter sehr unterhaltsame Geschichte. Da gibt es die Geschichte von Kolumbus, der darauf baut, auf der Insel Antilia Proviant auf seiner Reise aufnehmen zu können. Doch die Insel zwischen Spanien und Amerika – immerhin so groß wie Europa – gab es nur in der Phantasie des Kartografen.

Oder der Bericht zweier deutscher Arktisforscher, deren Schiff nur 60 Kilometer entfernt von New South Greenland im Eis einfriert. Der Weg zur rettenden Insel wird beiden fast zum Verhängnis: Die Insel existiert gar nicht. Nur mit Mühe und Not schaffen Sie es zurück zur „Deutschland“.

Zu jeder der Phantominseln gibt es eine eigens gestaltete Karte, die die Position der Insel und ihre (vermeintliche) Lage zu echten Landmassen zeigt. Liesemer verrät, dass die Zeichnungen nicht hundertprozentig korrekt sind: Beruhend auf dem Weltbild und auf Kartenmaterial vergangener Tage geben sie dennoch eine gute Orientierung, um welchen Teil der Welt es geht. Zusätzlich gibt es im Vorsatz des Lexikons der Phantominseln eine Weltkarte mit allen dreißig „Nicht-Inseln“.

Allgemein ist die Aufmachung des Buches sehr hochwertig: Schnitt, Karten, Vorsatz und Umschlag sind in einheitlich in Blautönen gestaltet. Dickes Papier und ein schöner Schutzumschlag runden das Bild ab.

Der Autor

Dirk Liesemer, Jahrgang 1977, hat Politik und Philosophie in Münster und Rennes studiert und eine Journalistenschule in Hamburg besucht. Heute lebt und arbeitet er in Leipzig und schreibt regelmäßig für verschiedene Magazine und Zeitungen (mare, GEO, FAZ). Mit dem „Lexikon der Phantominseln“ legt Liesemer sein erstes Buch vor.

Fazit

Das Lexikon der Phantominseln ist nicht nur für Erdkundelehrer und Geographen interessant, sondern für alle, die Karten, Abenteuer- und Segelgeschichten oder skurrile Berichte mögen. Wer übrigens glaubt, Phantominseln hätte es nur in vergangen Jahrhunderten gegeben, irrt. Noch 2012 hat Google Earth „Sandy Island“ gezeigt – die Sandinsel hat es natürlich auch nie gegeben.

 


Dirk LiesemerLexikon der Phantominseln
Gebundene Ausgabe160 Seiten
VerlagMare Verlag; Auflage: 1 (23. August 2016)
ISBN-13978-3866482364
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Lexikon der Phantominseln
 Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung des mare-Verlag.
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