Segler will Liniendienst zwischen Amsterdam und dem Wattenmeer einrichten

Lichtstraal

Dennis Stroombergen (46) plant, mit seinem Clipper Lichtstraal einen Liniendienst zwischen Amsterdam und dem Wattenmeer einrichten. Er will Unternehmen davon überzeugen, ihre Ladung sauber und CO₂-neutral zu transportieren.

Es ist Montagmorgen, ein paar Grad über Null. Dennis Stroombergen steht am Ruder seines 20 Meter langen Zeeland Clipper Lichtstraal. Vier Besatzungsmitglieder folgen wie eine geölte Maschine den Kommandos, die Stroombergen ihnen zuruft. Zehn Minuten später sind die zwei riesigen Segel gehisst. Das Schiff hat den Wind im Rücken und segelt mit sechs Knoten über das Wasser des Ijsselmeers.

Das 70 Tonnen schwere Schiff von Stroombergen hat hohe Masten mit großen Segeln, die viel Wind einfangen. „Das Schiff reagiert langsam, tut nicht sofort, was du willst. Du musst das berücksichtigen.“

CO₂-neutral

Als der Wind nachlässt, hat die Crew Zeit für eine Tasse Kaffee. Stroombergen bleibt als Kapitän am Steuer und beobachtet die Umgebung. Nur ein weiteres Schiff fährt über das IJsselmeer.

Mit seiner Firma Zuivervaren will Stroombergen der Erste sein, der in den Niederlanden einen Segelliniendienst aufbaut. Mit Fracht von Amsterdam über das IJsselmeer zu den Watteninseln und zurück. Ein völlig CO2-neutraler Warentransport.

Transport muss sich auch lohnen

Dabei geht es ihm nicht vorrangig um den Güterverkehr, sondern um die Botschaft: Er will Menschen und Unternehmen darauf aufmerksam machen, dass wir Dinge transportieren, ohne darüber nachzudenken, wie schlecht das für die Umwelt ist. Und dass es saubere Alternativen gibt.

Ziel der heutigen Reise ist es, das Schiff kennenzulernen, an Land zu gehen, seine Geschichte mit lokalen Unternehmern zu teilen und ein Gefühl für die Dauer einer Reise hinzu den Watteninseln und zurück zu bekommen. Daher ist derzeit nicht viel Ladung an Bord.

Erste Kundschaft auf der Lichtstraal

Das war vor drei Monaten anders. Das Festival Into the Great Wide Open auf Vlieland wollte, dass ein Teil der benötigten Güter vom Festland CO2-neutral transportiert werden. Der Laderaum des Schiffes wurde bis zum Rand mit 1200 Liter Bierfässern, Limonade und Skulpturen gefüllt.

Der Laderaum fasst etwa 15 Kubikmeter Fracht. Natürlich auch eine kleine Pantry mit Speisekammer und Gasherd sowie eine Skipper-Kabine.

Stroombergen segelt seit seinem elften Lebensjahr. „Es hat mich immer gekitzelt, das Segeln zu Arbeit zu machen“. Vor einigen Jahren stieß er zu einer Stiftung, die CO2-neutrale Fracht transportierte. Sie arbeiten auf Projektbasis – und segeln daher nicht viel. Abends am Tresen fantasierten sie darüber, wie sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen könnten. Stroombergen dachte: „Es gibt nur einen Weg, dies realisieren, ich muss mein eigenes Schiff organisieren.“ Während seiner Suche sah er die Lichtstraal  im Hafen von Durgerdam liegen. Der Eigentümer erlaubte ihm, das Schiff für fünf Jahre zu einem angemessenen Preis zu mieten.

Jetzt geht es darum, Frachtverträge abzuschließen, um einen kostendeckenden und umweltfreundlichen Linienverkehr aufzubauen. Auf einen Partner kann er wohl schon jetzt zählen: Für die Tres Hombres, die Schokolade, Rum, Kaffee und Olivenöl auf einem Segelschiff von Afrika nach Amsterdam transportieren will er die „letzte Meile“ übernehmen.

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Fryslân Sailor

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